Printmedien zum Thema "wo esse ich am besten" gibt es in der heutigen Welt des überschwenglichen Luxus zur Genüge. Zahlungskräftiger Kundschaft wird in diversen "Guides" der Weg in den Sterneolymp gewiesen, wo von steifen Service-Pinguinen schier unaussprechbare Essenskreationen serviert werden. Zugegeben, Essenskultur ist ein Spiegel unserer Gesellschaft und zu ihr gehört zwangsläufig die absolute Top-Gastronomie, die, wie auch immer sie präsentiert wird, zeigt, was in der Küche mit frischen Zutaten, einer einerseits streng militärisch organisierten Staffel und andererseits einem Stückchen Kreativität maximal möglich ist.
Wir hingegen widmen uns hier den kleinen Gasthäusern, wo es heisst "hier kocht der Chef noch selbst". Oder, wie im Wallis ein Schild an einem Gasthaus verkündete: "les patrons au fourneau". Nur zu hoffen, dass zuviele Köche nicht den Brei verderben.
Die
Restaurants werden in der Reihenfolge des Testdatums geordnet, der aktuellste Test
steht dabei immer am Anfang. In die Bewertung gehen die Qualität des Essens und der
Service ein. Außergewöhnliches, gemütliches Ambiente wird auch berücksichtigt. Es werden
bis zu 5 Kochmesser vergeben. Natürlich werden die Restaurants vorher nicht über den
geplanten Testbesuch in Kenntnis gesetzt und der Testesser gibt sich nicht als solcher zu
erkennen - anders als bei einigen berühmten Gastro-Guides üblich. Die Tests spiegeln
lediglich unsere Erfahrungen beim Testbesuch am genannten Datum wider.
Es ist geplant, dass diese Seite ständig erweitert wird.
| Wertung: 3 Kochmesser | ||||
Getestet am: 19.08.2004
Dieses
Gasthaus befindet sich inmitten des Pfälzer
Waldes an der Bundesstraße zwischen Hochspeyer und
Neustadt/Weinstraße. Ein großzügiger, verglaster
Terrassenanbau neben der Gaststube und weitere Tische
im Biergartenbereich lassen erahnen, welchem
Besucheransturm man hier gelegentlich begegnen kann.
Wir nehmen im Aussenbereich platz und stellen Fest, dass Tische und Stühle etwas
angeschmutzt sind, was wohl auf die nahen Bäume zurückzuführen ist. Der vierzehnjährige
Sohn des Hauses bedient zwar nur aushilfsweise, aber sehr souverän und man spürt, wieviel
Spaß ihm die Arbeit bereitet. Im Ausschank gibt es zumindest momentan noch das bananige
Parkbräu Hefeweizen (EUR 2,70) aus Pirmasens vom Fass, das könnte sich wegen der
Insolvenz der Brauerei aber bald andern.
Dass Schmalhans hier nicht Küchenmeister ist, zeigt die reichhaltige Speisenkarte, auf der auch Wildgerichte nicht zu kurz kommen. Da die Pfalz für ihre deftige Wurstkuche bekannt ist, bestellen wir einen vorzüglichen Hausmacher Teller (EUR 5,50) mit Leberwurst, Bratwurst, Presswurst, serviert mit Senf und Brot. Wir erfahren, dass die Wirtsfamilie löblicher Weise alle Wurstkonserven ohne den Einsatz von Pökelsalz herstellt. In einem kleinen Verkaufsraum in der Gaststätte kann man die Spezialitäten des Hauses zur Mitnahme erweben, wobei auch die Wildspezialitäten Wildschweinschinken und Wildschweinleberwurst nicht ungenannt bleiben dürfen.
| Wertung: 3 Kochmesser | ||||
Getestet am: 18.08.2004
Fährt
man von Bernkastel-Kues der Mosel entlang
flussaufwärts, so trifft man kurz vor dem Ende der
Mittelmosel, wo sich das enge Moseltal mit seinen
Steilhangen zu weiten beginnt, auf den Weinort Leiwen.
Hier besuchen wir das Restaurant Schu und setzen uns
an einen der gemütlichen Eckbanktische. Die Stube ist
dunkel gehalten und jeder Tisch wird durch eine im
Leder-Look gehaltene Schirmlampe in warmes Licht
getaucht und eine mechanische Wanduhr schlägt die
Stunden. Leider steht in einer Ecke ein beleuchteter
Minikunststofftannenbaum und die strukturverputzten
Wände sind mit miniaturisierten Handwerkzeugen aus
der Landwirtschaft dekoriert, was die Szenerie am besten mit der Wortschöpfung
"rustikitschig" umschreiben lasst. Auf dem Tisch steht ein gefüllter Aschenbecher, den wir
zum Lesen der Speisenkarte an den leeren Nachbartisch verbannen.
Auf die schlechte, auch hier durch die Vertragsbrauerei des Hauses eingeführte Sitte, statt einer Halben nur noch 0,4l ausschenken zu lassen, reagieren wir mit der Bestellung einer hervorragenden Flasche Maisels Weisse (EUR 2,60). Aus der abwechslungsreichen Speisenkarte bestellen wir Rumpsteak Weinberg (EUR 12,60), gebratenes Zanderfilet (EUR 11,80), beides mit Salat und den Haustopf Laurentius, der verschiedene Steaks an Sherrysauce und Sauce Béarnaise, sowie Hausmacherspätzle und verschiedene Gemüse enthält. Die Qualität aller Speisen ist gut, die Saucen sind selbstgemacht und die Steaks au point gegart, lediglich das Gemüse ist leider eine Tiefkühlfertigmischung und die Hausmacher-Spätzle sind etwas zu trocken geraten. Insgesamt sind wir aber zufrieden und können das Haus weiterempfehlen.
| Wertung: 0 Kochmesser | ||||
Getestet am: 20.08.2003
Der
Name klingt hier schon vielversprechend. Das
Gasthaus liegt im Neubaugebiet von Mehring an der
Mosel, genau gegenüber der Ausgrabung und teilweisen
Rekonstruktion einer Römervilla. Auf Laternen und
Sonnenschirmen wird für Bitburger Bier groß Reklame
geschoben, wir nehmen im Außenbereich Platz und
freuen uns an diesem heissen Abend auf ein kaltes
Getränk. Beim Versuch, ein großes Radler zu bestellen,
kommt die Bedienung aus dem Konzept und fragt, ob sie
zwei Flaschen Bier und eine Flasche süßen Sprudel
bringen soll. Vorsorglich werden wir darüber
unterrichtet, dass es sich hier um eine Weinstube
handelt, in der es kein offenes Bier gibt. So bestellen wir lieber ein wohlschmeckendes großes
Traubensaft-Schorle, das mit EUR 3,- berechnet wird. Beim Blick auf die Speisekarte fallen
Variationen mehrerer, einfacher Gerichte auf. Wir bestellen 1/2 Hähnchen mit Fritten und
Salat für EUR 6,- und ein paniertes Zigeunerschnitzel mit Fritten und Salat für EUR 8,-.
Als der Salat serviert wird, kommt die erste richtige Enttäuschung des Abends: neben einem
Salatdressing, das nach eingeschlafenen Füßen schmeckt, erzählen uns die welken
Salatblätter die traurige Geschichte des stundenlangen, angerichteten Wartens in der Küche.
Dann wird das warme Essen gebracht. Die in der Friteuse gegarten Hähnchen sehen gut aus,
sind aber zur Würzung lieblos mit einem Teelöffel Paprikapulver überschüttet, der sich beim
Anschneiden als Paprikawolke fein über die Teller legt. Vermutlich ist in der Küche der
Streuaufsatz der Paprikadose abhanden gekommen. Das tadellos panierte Schnitzel ist mit
einer Zigeunersoße verfeinert, die uns beim ersten Schnuppern fast die Atemwege verätzt. Die
Geschmacksprobe zeigt es noch deutlicher: Dem Koch scheint mit den Dosenpaprika
versehentlich die Essigflasche in die Soße gefallen zu sein. Traurig nur, dass er diesen Fehler
beim Abschmecken nicht bemerkt hat. Zu guter Letzt finden wir in den lommeligen Fritten
noch ein drei Millimeter langes Metallstück, das uns endgültig den Appetit verdirbt.
Möglicherweise stammt es aus einem Scheuerschwamm oder es ist ein Teil des vermissten
Paprikastreuers. Als wir uns über die Mißstände beschweren, bekommen wir lediglich eine
halbherzige Entschuldigung zu hören.
Wenn Sie unter Eisenmangel leiden und Schock-Erlebnisgastronomie lieben, sind Sie in dieser
Weinstube bestens aufgehoben. Und unser Tip an den Koch: VHS-Kochkurs besuchen, oder
ein Grundkochbuch kaufen.
| Wertung: 5 Kochmesser | ||||
Getestet am: 21.08.2003
Außen
sind an dieser Gaststätte Schilder und Reklamen
einer großen Stuttgarter Brauerei angebracht, die vor
dem Besuch eigentlich eher warnen als einladend wirken.
Wir haben aber Hunger und lassen uns von unserem
Vorhaben, hier etwas zu essen, nicht abbringen. Der mit
Schreibmaschine getippte Aushang zeigt ein einfaches
Speisenangebot. Wir betreten die zur
Schreibmaschinenschrift passende Gaststube im
Fünfziger-Jahre-Look und haben freie Tischwahl, denn
wir sind die einzigen Gäste. Ein älterer Herr kommt und
nimmt unsere Getränkebestellung auf. Es stellt sich
heraus, dass auch Schmucker Bier im Ausschank ist und
bestellen ein hervorragendes dunkles Hefeweizen vom Fass. Der Wirt erzählt uns, dass er an
keine Brauerei gebunden sein möchte und er deshalb auch keine Verträge mehr abschließt,
denn schließlich gehöre ihm ja die Gaststätte mit Inventar. Sehr lobenswert, denn so kann er
beliebige Biermarken ausschenken. Wir bestellen etwas zum Essen und der Wirt zieht sich in
die Küche zurück. Nach etwas mehr als 20 Minuten werden uns die Speisen in
hervorragender Qualität frisch zubereitet serviert. Pommes Frites und Dauphin-Kartoffeln
werden hier noch vom Küchenmeister persönlich hergestellt. Wegen der außergewöhnlichen
Qualität und des guten Preis-Leisungs-Verhältnisses erhält dieser Gasthof die
Höchstwertung. Schade, wenn dieser Gasthof aus Altersgründen geschlossen wird, denn hier
ist ein altes Wirtspaar im Dienst, das viel Spaß an der Arbeit hat. Zu erwähnen ist auch noch
die Kegelmöglichkeit im Keller.